Donnerstag, 2. Juli 2026

Andorra Epic Etappe 1

Unser diesjähriges Renn-Highlight, die Andorra Epic, buchten wir bereits Ende Juli 2025. Zum einen, weil wir schon viel Gutes darüber gehört hatten, und zum anderen, weil sie Teil der Global Epic Series ist. Letzteres spricht für ein extrem perfekt und professionell organisiertes Event.
Die Vorbereitungen liefen bei uns beiden sehr gut, sodass wir am Montagmorgen in recht guter Form Richtung Flughafen Prag aufgebrochen sind. Dankenswerterweise hat sich mein Kollege Alex bereit erklärt, uns mit seinem Bus zu shuttlen. Von Prag ging es per Flugzeug nach Barcelona und von dort mit dem Mietwagen weiter nach Andorra – wie jedes Mal perfekt durchorganisiert von Sportfreund Eric! „Willst du reisen mit Niveau, buch bei Rudi-Tours – Chapeau!“

In Andorra angekommen, bezogen wir unser doch recht schickes Hotel und montierten noch am gleichen Abend die Bikes, denn der Veranstalter lud am Dienstagmorgen zu einem Social Ride mit anschließender Verköstigung ein. Perfekt für uns, um etwas die Gegend kennenzulernen und keinen Navigationsstress zu haben. Gemeinsam fuhren etwa 70 bis 80 Radler als Gruppe einem Gipfel entgegen, geführt von niemand Geringerem als Lukas Baum von Speed Company Racing. Der Trail, welcher uns wieder im Tal ausspuckte, war Teil eines Bikeparks und trieb uns bereits erste Freudentränen in die Augen, wenngleich besonders ich noch verhalten fuhr, um mit meinem neuen Rad erst einmal „eins“ zu werden. Außer beim Riva Bike Marathon hatte ich dieses Geschoss noch nicht im Einsatz und musste mich daher erst einmal herantasten. Weiterhin sind wir ja bekennende Rollentrainer-Fahrer und so bleibt die Fahrpraxis doch deutlich auf der Strecke. Eric kompensiert diesen Punkt mit wöchentlichem Radballspielen und fährt so anfänglich gefühlt Kreise um mich.

Der Mittwochmorgen sollte dann bereits der Akkreditierung dienen. Auch dort bekommt man sofort mit, wie professionell bei Rennen der Epic Series agiert wird. Wer die Möglichkeit hat, einmal an so einem Event teilzunehmen, sollte das unbedingt tun. Besser organisieren und durchführen kann man unserer Einschätzung nach ein Event dieser Dimension nicht! Da ist wirklich jedes Detail zu Ende gedacht – so, wie es uns gefällt.

Das anschließende Anschwitzen – oder nennen wir es Vorbelasten – fiel aufgrund der Höhe über dem Meeresspiegel doch eher spärlich aus. Schnell merkten wir: Hier fehlen doch deutlich ein paar Watt in den Beinen. Deshalb ließen wir es ruhiger angehen – in der Hoffnung, dass von Tag zu Tag die entsprechenden Anpassungsprozesse im Körper stattfinden und wir höhentauglicher werden. Im Vorfeld hatte ich mich tatsächlich damit befasst, zu Hause im Höhenzelt zu schlafen, um die Bildung der roten Blutkörperchen bereits vorab anzukurbeln. Diesen Plan verwarf ich allerdings relativ schnell, da der Aufwand doch recht hoch gewesen wäre und ich mich dadurch nahezu komplett von meiner kleinen Familie isoliert hätte.

Donnerstag – also heute – sollte dann bereits der erste Renntag sein. Es begann gleich spannend, denn der Start der ersten Etappe war auf dem Gipfel des Skigebiets Pal Arinsal, exakt dort, wo auch der MTB-XCO-Worldcup in Andorra stattfindet. Immerhin auf beachtlichen 1.800 Metern über dem Meeresspiegel. Dorthin wurde das komplette Fahrerfeld per Gondelbahn geshuttelt – allein das war schon ein Highlight zum Auftakt!
Oben hieß es dann warten, frieren und auf den Startschuss hoffen. Pünktlich um 9 Uhr starteten die Profis, wir sechs Minuten später. Unser Fahrerfeld stürzte sich förmlich den ersten Skihang hinauf. Ausnahmslos alle nagelten los, als wäre bereits die Zielflagge zu sehen. Mit Bedacht und unserer routinemäßigen Ruhe kurbelten wir unser Tempo und sammelten schnell Team um Team ein, ehe es auf einem kurzen Abschnitt der Worldcup-Strecke bergab ging. Auch hier noch recht verhalten und meinerseits regelrecht steif auf dem Rad, fuhren wir immer im grünen Bereich Stück für Stück nach vorn.

Der darauffolgende recht flache und lange Asphaltanstieg wurde uns bereits von Teammitglied und Mehrfachteilnehmerin Laura angeteasert. Dort solle man etwas tiefer gehen, um eine möglichst gute Ausgangssituation für den darauffolgenden, doch recht anspruchsvollen Trail zu schaffen. Das setzten wir auch perfekt um und dampften – ähnlich wie der Rasende Roland auf Rügen – mit allem, was wir hatten, Richtung Gipfel, der immerhin auf 2.330 Metern über dem Meeresspiegel lag.
Ab nun wurden die Downhills technisch anspruchsvoller und regelrecht rau. Mit jedem Trailmeter fand ich jedoch mehr zurück in meinen Downhill-Flow und wurde „eins“ mit meinem neuen Scalpel. Trotzdem ließen wir Vorsicht walten. Immerhin überholten wir permanent Teams mit Reifenschäden und genau das galt es zu vermeiden. Der durchweg felsige Untergrund mit seinen scharfen Kanten verlangte nach einer sauberen Linienwahl und permanentem Fokus. Da uns unsere eher defensive Fahrweise bereits vielfach zum Erfolg geführt hat und sich diese Strategie in der Vergangenheit immer bewährt hat, hielten wir auch diesmal konsequent daran fest.

Den ersten Verpflegungspunkt ließen wir nach kurzer Absprache bewusst aus und ließen weiter laufen. Erics Freundin Sahra, die uns hier als Supporterin begleitet, sahen wir an diesem Punkt kurz, verabschiedeten uns mit einem Winken und verschwanden direkt im nächsten Anstieg der Pyrenäen.
Auch bergauf warteten feinste Singletrails. Wenngleich es auf dieser Höhe schwerfällt, bergauf zu kurbeln, genieße ich jede einzelne Kurbelumdrehung in diesem traumhaften Panorama. Ein paar feine Trailkilometer seitlich entlang des Gipfelgrats und schon folgte der nächste Natur-Downhill. Wir ließen es in Zweierformation gut laufen, aber nie am Limit.
Die an unseren Bikes montierten GoPros liefen heiß, um actionreiches Videomaterial einzufangen. Bei diesem Kaiserwetter entstehen traumhafte Aufnahmen in diesem unglaublich schönen Bergambiente. Ich hoffe, Freund, Regisseur und Weltreisender Ralle unterstützt uns erneut so großartig bei der Produktion unseres nächsten Films „Andorra Epic 2026“.

Im letzten Teil des Downhills war eine ausgeschriebene und ausgeschilderte T-Section – was wohl so viel wie Trail-Sektor heißen dürfte. Dort war tatsächlich mächtig Stimmung auf den Natur-Singletrails und die Mundwinkel wanderten vor Freude bis zu den Ohren.
Im Tal angekommen folgte die zweite Verpflegung mit allem, was das Herz begehrt. Selbst Zuckerpatronen alias Gels gab es in sämtlichen Geschmacksrichtungen kostenlos. Natürlich griffen wir dankend zu, füllten unsere Flaschen und schwangen auf den letzten 15, doch sehr flachen Kilometern noch einmal ordentlich den Hammer.

Im Ziel stand dann ein sehr zufriedenstellender 9. Platz nach 2:40 Stunden in der Open-Men-Kategorie auf der Anzeigetafel. Es folgte das übliche Prozedere: Fahrräder waschen lassen, die sehr reichhaltige Zielverpflegung genießen und vor allem jede Menge trinken.

Nun liegen wir am Pool, genießen das traumhafte Wetter und geben unseren Körpern Zeit zur Regeneration, um morgen hoffentlich erneut den Sprung in die Top 10 zu schaffen.

Wir werden berichten!

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