Sonntag, 5. Juli 2026

Andorra Epic Etappe 4

Die 4. und zugleich letzte Etappe unseres Andorra-Abenteuers 2026 über 45 Kilometer und 1.650 Höhenmeter begann deutlich entspannter als die vorherigen. Der Start war nur etwa einen Kilometer von unserem Hotel entfernt und so war die Anreise mit dem Bike natürlich obligatorisch.

Da es vom Startblock direkt in den rund 1.000 Höhenmeter umfassenden ersten Anstieg ging, beschränkte ich das Warmfahren auf ein Minimum. Unser Startblock war aufgrund der guten Ergebnisse der vergangenen Tage erneut ganz vorn und somit gefüllt mit den schnellsten Amateurfahrern des gesamten Starterfeldes. Bereits mit dem Startschuss machten diese unmissverständlich klar, warum sie dort standen.

Exakt 20 Minuten konnten wir mit der Spitze im ersten Anstieg mithalten, bevor wir aus Vernunft reißen lassen mussten. Das Leistungsniveau in der Amateurklasse ist hier wirklich beeindruckend.

Die erste Verpflegungsstation befand sich dort, wo am ersten Renntag bereits der Start war – im Skigebiet Pal Arinsal, genau dort, wo auch die Cross-Country-Worldcup-Strecke verläuft. Auf dieser drehten wir zunächst noch ein paar Schleifen, bevor es über brutal trockene Skipisten weiter bergauf zum Collada de Muntaner auf rund 2.100 Metern über dem Meeresspiegel ging.

Die erste Trailabfahrt, welche wir bereits von Etappe 1 kannten, ließen wir erneut ordentlich laufen, ohne dabei Sinn und Verstand auszuschalten. Diese Taktik sollte sich wieder einmal auszahlen, denn in genau dieser Singletrail-Passage standen einige Kontrahenten mit Reifenschäden am Streckenrand.
Den zweiten und zugleich letzten Anstieg des Tages mit seinen rund 800 Höhenmetern fuhren wir anschließend gemeinsam mit dem führenden Master-Team in angenehm zügigem Tempo. Wenn man bedenkt, dass Eric bereits in dieser Altersklasse starten dürfte und nur wegen mir Jungspund noch in der Elite-Amateurklasse antreten musste, ist seine Leistung umso beeindruckender. Chapeau an dieser Stelle! Wäre ich ebenfalls schon Ü40, hätten wir vermutlich an jedem Tag auf dem Podium gestanden.

Die eigentliche Crux dieses Anstiegs war jedoch eine ausgeschriebene Schiebe- beziehungsweise Tragepassage. Wenn so etwas bereits im Streckenprofil explizit angekündigt wird, weiß man meist: Da kommt etwas Besonderes. Und genau so war es auch.

Wir haben in den vergangenen Jahren schon allerhand erlebt, aber an einer derart steilen Felskante direkt am Abgrund mussten wir unser Bike bisher noch nie balancieren. Der Gipfel selbst bestand aus einer fast senkrechten Felswand. Dort wurde unser Fahrrad von zwei Helfern am Vorderrad gefasst und nach oben gezogen, während wir Fahrer uns am Seil selbst nach oben arbeiten mussten – wohlgemerkt in Carbon-Radschuhen. Ich möchte gar nicht wissen, was an dieser Stelle weiter hinten im Fahrerfeld los war.

Der restliche Anstieg bis zum Gipfel war uns bereits aus Etappe 1 bekannt und hielt keine weiteren Überraschungen mehr bereit. Kurz vor dem höchsten Punkt erreichten wir die zweite Verpflegungsstation, an der uns Erics Sarah kurz begrüßte. Wir füllten unsere Flaschen mit Iso, stopften die Trikottaschen mit Gels voll und machten uns auf die letzten Meter zum Gipfel.

Die anschließenden fast 1.000 Tiefenmeter bis ins Ziel hatten dann noch einmal alles zu bieten, was Mountainbiken so großartig macht. Zunächst raue Naturtrails und später eine teilweise bereits ordentlich zerschossene Bikepark-Abfahrt im typischen Murmelbahn-Stil.

Erneut ließen wir es ordentlich fliegen, wussten aber beide ganz genau, dass wir jetzt nicht überziehen durften. Ein Reifenschaden oder gar ein Sturz hätte unsere hervorragende Ausgangsposition im Gesamtklassement noch zunichtemachen können.

So überquerten wir nach 2:38 Stunden als Sechste die Ziellinie. Das bedeutete am Ende einen starken 7. Platz in der Gesamtwertung.

Unser Fazit: Vier traumhafte Renntage bei besten Bedingungen, spektakulären Trails und einer Organisation, die ihresgleichen sucht. Von unserer Seite gibt es eine ganz klare Empfehlung für die Andorra Epic!

Nun genießen wir noch die letzten Stunden am Infinity-Pool, müssen später unsere Bikes wieder in die Koffer verstauen und vielleicht auch noch das wohlverdiente Feierabendbier im Zielgelände testen – verdient haben wir es uns auf jeden Fall.

Morgen früh geht es dann mit dem Mietwagen zurück nach Barcelona und von dort per Flugzeug nach Prag, wo uns hoffentlich unser Kollege und Freund Alex wieder mit dem Auto nach Hause shutteln wird.