Samstag, 4. Juli 2026

Andorra Epic Etappe 3

Die 3. Etappe der Andorra Epic startete erneut mit einer rund 30-minütigen Busfahrt hinauf zum Bergplateau Naturland. Doch zunächst ein kurzer Rückblick auf das Champions Dinner des gestrigen Abends.

Wie bereits erwähnt, lud der Veranstalter alle Epic Legends – also Teilnehmer, die mindestens drei verschiedene Rennen der Global Epic Series erfolgreich gefinisht haben – zum Abendessen ein. Voller Vorfreude standen wir pünktlich um 19 Uhr an der vorgegebenen Location.

Die Tische waren schick gedeckt. Viel Geschirr, noch mehr Besteck, fein platzierte Namenskärtchen sowie die Menükarte deuteten stark auf gehobene Küche hin. Unser kleiner Acht-Personen-Tisch hätte prominenter kaum besetzt sein können: Links von mir saß der Flughafendirektor des neuen Flughafens in Kapstadt samt Ehefrau, daneben der Streckenchef des Cape Epic mit einem Kollegen aus der Media Crew. Außerdem nahmen die beiden deutschen Radprofis Simon Stiebjahn und Martin Frey Platz – und mittendrin wir zwei kleinen Lichter.

Das aufgefahrene Acht-Gänge-Menü der gehobenen Küche war wunderschön angerichtet und wurde Gang für Gang serviert. Ganz unserem ersehnten After-Race-Carboloading entsprach das allerdings nicht. Ein großer Teller Nudeln mit Tomatensoße und ordentlich Käse hätte uns vermutlich genauso glücklich gemacht. Trotzdem haben wir den Abend sehr genossen, den Gesprächen unserer prominenten Tischnachbarn gelauscht und das eine oder andere mitgenommen.

Das einzig Unglückliche an diesem Abend war, dass mein linker Arm, kurz oberhalb des Handgelenks, im Laufe der Veranstaltung immer dicker wurde. Meine Selbstdiagnose: Sehnenscheidenentzündung. Vor drei bis vier Jahren hatte ich damit schon einmal zu kämpfen, damals arbeitsbedingt. Seitdem war allerdings Ruhe. Sollte das nun tatsächlich unser Projekt Andorra Epic 2026 ins Wanken bringen?

Über Nacht wurden unsere Bikes erneut per Lkw nach Naturland gebracht und warteten dort fein säuberlich auf ihre Besitzer. Das funktioniert hier tatsächlich perfekt und absolut ohne irgendwelche Beschädigungen am Material.

Erics Hinterrad hatte zu unserer Überraschung einen Platten. Auch nach intensiver Suche konnten wir keine undichte Stelle finden und beschlossen gemeinsam, dass kräftiges Nachpumpen genügen sollte. Die üblichen Handgriffe am Bike saßen, alles wurde race-ready gemacht und schon standen wir wieder im ersten Amateur-Startblock.

Der Startbereich auf diesem Hochplateau, umgeben von dieser traumhaften Bergkulisse inmitten der wunderschönen Morgensonne, hätte besser kaum gewählt werden können – einfach ein Traum!

Pünktlich fiel der Startschuss und schon ging die wilde Reise los. Relativ zeitig im ersten Anstieg wurde dann zu meiner Überraschung aus der Gruppe heraus attackiert. Wenige Kilometer später war auch klar, warum. Wir bogen in einen schmalen Uphill-Singletrail ein, auf dem eine gute Ausgangsposition natürlich von Vorteil war. Also fuhren wir, was ging, und reihten uns ordentlich ein.

Am Gipfel angekommen, erreichten wir die erste Verpflegungsstation, welche wir nach kurzer Absprache erneut ausließen. Ein Cross-Country-anmutender Kurs auf dem Hochplateau ließ uns gewaltig schnaufen, sorgte aber gleichzeitig für eine gewisse Selektion, was uns durchaus entgegenkam.

Die folgenden Trails waren dann wieder der wahrgewordene Traum eines jeden Mountainbikers, der schmale und naturbelassene Singletrails liebt. Wir ließen es ordentlich laufen und hatten glücklicherweise freie Fahrt. Sogar so viel freie Fahrt, dass Eric sich kurz verfuhr, ich dies allerdings überhaupt nicht mitbekam.

Für uns beide eine nervenaufreibende Situation. Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, was mit Rudi passiert war, vermutete aber einen Verfahrer. Also ließ ich es weiter gut bergab laufen und hatte gemeinsam mit dem führenden Grand-Master-Team mächtig Spaß auf den Abfahrten. Mein Plan war, an der nächsten Verpflegung zu warten. Falls Eric vor mir wäre, würde er sicher genauso handeln.

An der Verpflegung angekommen – kein Eric.

Nun hieß es warten und hoffen.

Ich schätze, zwei bis drei Minuten später erkannte ich endlich das ersehnte Trikot im Heranrollen. Mir fiel sofort ein riesiger Stein vom Herzen. Die verlorenen Positionen waren in diesem Moment völlig nebensächlich. In Podestnähe bewegten wir uns zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht.

Nun wieder vereint surften wir die immer technischer werdenden, teilweise fast schon verblockten Trails gemeinsam hinunter ins Tal.

Mein neues Cannondale Scalpel hilft mir dabei tatsächlich enorm, Erics Hinterrad halbwegs folgen zu können. Gerade wenn es rau, technisch und verwinkelt wird, merkt man die fast zehn Jahre Entwicklung zu meinem alten Bike deutlich. Für mich definitiv ein riesiger Gewinn.

Auch die Bremsen, welche ich mit einer Shimano-XTR-Enduro-Bremspumpe und einem XTR-Race-Bremssattel kombiniert habe, funktionieren unglaublich gut. Teilweise fühlen sie sich wie ein Wurfanker an – ich muss fast aufpassen, dass mir beim Bremsen nicht die Kontaktlinsen aus den Augen fliegen.

Ebenso begeistert mich die SRAM Transmission, welche wir beide fahren. Die Schaltperformance ist wirklich von einem anderen Stern. Gangwechsel unter Volllast – egal ob hoch oder runter – funktionieren punktgenau. So perfekt habe ich das bisher mit keinem anderen Schaltwerk erlebt.
Ich würde fast sagen: ein echter Meilenstein!

Die restlichen Kilometer bis ins Ziel wechselten anschließend zwischen kurzen Asphaltpassagen und einem wunderschönen Wanderweg entlang eines Flusses.

Im Ziel stand schließlich ein 8. Tagesplatz zu Buche. In Anbetracht des kleinen Verfahrers ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis!

Meine Sehnenscheidenentzzündung ist glücklicherweise auch nicht schlimmer geworden und die Schmerzen halten sich weiterhin in Grenzen, sodass ich guter Dinge bin, morgen noch einmal ordentlich zu rasieren. Dann endet nämlich leider bereits unser Rennabenteuer hier in Andorra.