Die 2. Etappe der Andorra Epic 2026 startete erneut mit einer Besonderheit. Wie schon bei der 1. Etappe befand sich der Rennstart außerhalb des Race Village und so wurden wir per Shuttlebus zum rund 20 Kilometer entfernten Startort Canillo gebracht.
Auch heute Morgen war es im Schatten mächtig kühl, sodass ein sonniges Fleckchen zum kurzen Anschwitzen und späteren Warten auf den Start Pflicht war. Aufgrund unseres 9. Platzes vom Vortag durften wir heute in den Startblock A wechseln, welcher unmittelbar hinter den Profi-Herren startet.
Dass ein Warmfahren heute fast überflüssig war, ließ sich bereits am Höhenprofil erahnen. Die ersten fünf Kilometer führten leicht bergauf auf einer – ich nenne sie einfach mal Bundesstraße – entlang, eskortiert von der Polizei. Das Fahrerfeld blieb lange zusammen. Wir hatten Gegenwind und so keulten einige schnelle Jungs ganz vorne ordentlich im Wind. Das nahmen wir natürlich dankend an und schwammen relativ entspannt etwa in der Mitte des Fahrerfeldes mit, ohne groß investieren zu müssen. Mit zunehmender Streckenlänge wechselte der Untergrund, erste technische Fahrelemente kamen hinzu und schon wurde das Fahrerfeld auseinandergezogen.
Der erste Anstieg endete im Skigebiet Llac de Pessons auf immerhin stolzen 2.350 Metern über dem Meeresspiegel. Für uns Flachländer war die Luft dort oben zum Sporttreiben deutlich zu dünn. Der 300-Watt-Gang, welcher zu Hause im schönen Bobritzschtal sehr solide und über längere Zeit getreten werden kann, wird hier schnell zur physischen und psychischen Herausforderung. Die letzten Meter vor dem Gipfel nehme ich deshalb meist bewusst etwas Tempo heraus, um nicht völlig am Limit mit Kreuzblick in die traumhaften, aber doch anspruchsvollen Downhills einzustechen.
So in etwa sieht auch unser taktischer Gedankengang aus: Uphill möglichst die Lichter ausknipsen und fahren, was der Körper in dieser Höhe hergibt. Downhill dagegen mit Sinn und Verstand agieren, um Stürze oder – hier gar nicht so unüblich – Materialschäden zu vermeiden. Bis jetzt geht dieser Plan hervorragend auf!
Auch landschaftlich war die heutige Königsetappe wieder ein absoluter Leckerbissen. Eine alpenähnliche Kulisse, gepaart mit dem mediterranen Klima des Südens – einfach traumhaft.
Die Downhills wechselten heute zwischen perfekt gebauten Bikepark-Murmelbahnen und naturbelassenen Singletrails mit jeder Menge Wurzeln und zornigen Felskanten. Auch kilometerlange Ziehwege im Singletrail-Format warteten heute auf uns. Anfangs macht das noch richtig Spaß, doch wenn man merkt, wie zäh sich dort die Kilometer sammeln, freut man sich irgendwann über jedes kleine Stück Schwarzdecke.
Als der Garmin uns schließlich attestierte, dass wir die 2.200 Höhenmeter hinter uns gebracht hatten, waren wir gewissermaßen etwas erleichtert. Heute merkten wir das straffe Kneten in den Stelzen nämlich schon deutlich.
Etwa einen Kilometer vor dem Ziel wurden wir noch von einem kolumbianischen Team eingeholt. Auf der Zielgeraden hatten wir dann aber doch noch die besseren Beine und konnten uns mit einem starken Schlussspurt einen sehr zufriedenstellenden 6. Etappenplatz sichern!
Im Ziel selbst wurden uns sofort die Bikes abgenommen und zur Wäsche gebracht. Währenddessen konnten wir die extrem reichhaltige und abwechslungsreiche Zielverpflegung genießen und so direkt den Regenerationsprozess einleiten.
Auch im Zielgelände lässt sich der Veranstalter nicht lumpen und liefert wirklich ein Event auf absolutem Top-Niveau ab. Schattige Chill-out-Areas, kostenloses WLAN, Essen, Getränke und Kaffee inklusive, Medizelt, Security im Bikepark – hier bleibt wirklich kein Wunsch offen!
Nun chillen wir erneut bei strahlendem Sonnenschein am Infinity-Pool und warten auf 19 Uhr. Dann sind wir zum Champions Dinner eingeladen – einer Abendveranstaltung, die ausschließlich Teilnehmern vorbehalten ist, welche bereits drei Rennen der Global Epic Series erfolgreich gefinisht haben.





